Körperhaltung-Motorrad

Einfach mal abhängen…

Was grundsätzlich ein gut gemeinter Rat zur Freizeitgestaltung ist, soll sich hier ganz speziell auf die richtige Körperhaltung auf dem Motorrad beziehen, um Kurven schneller UND sicherer durchfahren zu können. Man redet hierbei im deutschen vom „Knieschleifen“ – das amerikanische „Hang Off“ beschreibt aber viel besser, was wir erreichen wollen.

Vorher aber ein paar Worte zur Sicherheit (Disclaimer):

Übe und trainiere deine Körperhaltung ausschließlich abseits des öffentlichen Verkehrs, am besten auf abgesperrten Bereichen. Mute dir nie zuviel zu und arbeite stets mit einem Partner, der dich beobachtet und im Anschluss kritisiert und verbessert. Am besten nutzt du die Angebote spezieller Fahrfähigkeits-Trainer!

Tatsächlich also wollen wir das Knie so nah wie möglich an den kurveninneren Asphalt bringen, also das Knie schleifen lassen. Nur eben halt nicht durch extremes kippen der Maschine, sondern durch eine entsprechende Körperhaltung, bei der wir zum Kurveninneren hin sozusagen vom Sitz „herunterhängen“ – amerikanisch: to hang off – indem wir unsere Haltung entsprechend verändern.

Warum?

  1. Mehr Bodenabstand: Beim Hang Off bleibt das Bike aufrechter und bekommt in keinem Fall über Fußrasten oder andere Anbauteile Bodenkontakt.
  2. Mehr Tempo: Durch die zum Boden hin gerichtete Körperhaltung erreichst du einen niedrigeren Schwerpunkt = weniger Querbeschleunigung = mehr Längsbeschleunigung.
  3. Mehr Grip: Je weniger du den Reifen durch extreme Schräglage in Richtung seiner Flanke belastest, desto mehr der wertvollen Lauffläche hast du zur Verfügung.

Gerade der letzte Punkt kann bei Nässe, wechselndem Belag oder nicht vollständig einsehbarem Kurvenverlauf entscheidend sein.

Wie also sieht die ideale Hang Off Körperhaltung nun aus?

  • Der Kopf befindet sich hinter dem kurveninneren Außenspiegel, beziehungsweise dort, wo dieser sich befinden sollte
  • Der Blick folgt der Kurve
  • Der Rücken des Fahrers liegt parallel zur Mittellinie des Bikes, seitlich zum Kurveninneren verschoben
  • Der kurveninnere Ellbogen ist gebeugt und zeigt zum Boden
  • Der äußere Arm liegt auf dem Tank auf
  • Die Armhaltung ist locker, die Arme stützen das Gewicht des Fahrers nicht nach vorn ab
  • Das kurvenäußere Bein liegt am Tank an und fängt das Gewicht des Fahrers auf
  • Der Schritt liegt auf dem kurveninneren Rand des Sitzes auf
  • Der Oberkörper liegt möglichst flach und tief
  • Kopf, Schulter, Knie und Fuß auf der Kurveninneren Seite sind in die Kurve gerichtet, Oberschenkel, Unterschenkel und kurveninnere Seite des Bikes bilden ein deutlich sichtbares Dreieck
  • Die Handhaltung der kurveninneren Hand wechselt in den „Schraubendreher-Griff*“

* Schraubendreher-Griff bezeichnet eine Handhaltung, die von der normalen Haltung am Motorrad Lenker abweicht. Der normale Griff ist ein recht fester, ähnlich wie man auch einen Türgriff fasst, fest, aber im Handgelenk recht unbeweglich. Einen Schraubendreher hingegen greift man hauptsächlich mit dem Zeigefinger und dem Daumen, das Werkzeug ist dabei mehr in Richtung des Arms gerichtet, nicht quer dazu. Diese Haltung ist immer noch ausreichend fest, ermöglicht aber mehr Flexibilität im Handgelenk und ein hohes Maß an Feinfühligkeit im Griff.

Du siehst also, die richtige Körperhaltung für schnelles und sicheres Durchfahren jeglicher Kurve bedarf ein wenig Übung und in den meisten Fällen einer zweiten Person, die dich beobachtet und dir Hinweise zu deiner Haltung gibt.

Selbstverständlich legen wir dir an diesem Punkt unsere Trainings ans Herz, in denen wir tatsächlich auch sehr stark an der richtigen Haltung arbeiten – und hier auch auf individuelle Punkte eingehen können. Was für Fahrer A gilt, muss für Fahrer B nicht die beste Lösung sein, was man mit Motorrad C machen kann, klappt mit Motorrad D vielleicht nicht ganz so gut. Unsere Trainer haben hierfür den richtigen Blick.

Schon unser Einstiegstraining – das Schräglagentraining – orientiert sich entsprechend an den oben genannten Punkten, aber eben auch, vor allem anderen, an dir als Fahrer. Nachdem du dir dort ein Gefühl für die richtige Haltung erarbeitet hast, kannst du beim beliebten PitBike Training üben bis zum Umfallen.

Im übertragenen Sinne, versteht sich!

Bis dahin wünschen wir dir viel Spaß, beim fröhlichen „abhängen“ auf dem Bike. In der Garage, vorerst.